Cradle to Cradle Café: 'Positive Impact! Cradle to Cradle in Gebäuden'

5. November 2019 in Berlin
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Cradle to Cradle Café: ‘Positive Impact! Cradle to Cradle in Gebäuden’

 

„Positive Impact! Cradle to Cradle in Gebäuden“

Am 5. November fand das erste Cradle to Cradle Café in Berliner Cradle to Cradle Lab statt. Gemeinsam mit dem C2C Verein e.V. luden drei niederländische Partnerunternehmen hierzu ein: Mosa, Desso/Tarkett und Qbiq – Produzenten von Keramikflächen, Teppichböden und Trennwandsystemen.

Das Thema der Veranstaltung umfasste „Positive Impact! Cradle to Cradle in Gebäuden“; das Planen, Bauen und Zertifizieren von kreislauffähigen Gebäuden für eine lebenswerte und nachhaltige Zukunft. Mit Nora Sophie Griefahn, Martin Hoffmann, Edwin Meijerink und Peter Roelvink gab es vier angesehene Experten als Redner, die unterhaltsame Einblicke in das Thema gaben.

C2C, im Berliner Plattenbau?!

Zuerst hat Nora Sophie Griefahn, Geschäftsführerin des Cradle to Cradle e.V., uns mitgenommen in die Denkschule und das Designkonzept von Cradle to Cradle, sowie dessen Einbindung in den Bausektor. Am Beispiel des Cradle 2 Cradle Labs erklärte sie, wie die Bestandssanierung eines Berliner „Plattenbau“-Wohnblocks aus den Achtzigerjahren praktisch umgesetzt wurde. Alle verbauten Teile und Stoffe lassen sich wieder verwerten oder zumindest recyceln. Der Cradle to Cradle e.V. setzt neue Maßstäbe für gesunde und kreislauffähige Innovationen mit einem positiven Fußabdruck. Das C2C LAB bringt C2C-Changemaker zusammen und beschleunigt den Übergang zu einer C2C-Zukunft.

Kreislauffähige Wirtschaftsmodelle als logische Konsequenz

Martin Hoffmann, Vorsitzender der Technischen Kommission und einer der Gründer, hat uns erklärt weshalb recyclebare Gebäude und Kreislaufwirtschaft eigentlich notwendig sind? Darum: Die Summe aller Bau- und Abbruchabfälle in Deutschland entsprach 54 % des gesamten Abfallaufkommens in Deutschland in 2016. Und knapp die Hälfte (49,7 %) der in Deutschland im Jahr 2015 entnommenen Rohstoffe sind Baumineralien.

Das aktuell lineare Wirtschaftssystem kann einfach nicht fortgeführt werden: wir leben auf Pump. Kreislauffähige Wirtschaftsmodelle können den Druck auf Umwelt und Menschen verringern und Werte schaffen. Kreislauffähige Gebäude ermöglichen die Wiederverwendung oder das Recyclen von Materialien; sie werden zu Rohstoffdepots.

Kreislaufwirtschaft in der EU und beim DGNB

Die Europäische Kommission verabschiedete im Dezember 2015 ein “Circular Economy Package” einschließlich eines Aktionsplans, in dem der Übergang zur Kreislaufwirtschaft beschrieben wird als zentraler Hebel für eine nachhaltige, CO₂-arme, ressourceneffiziente und wettbewerbsfähige Wirtschaft.

Die DGNB kommuniziert die Vorteile einer kreislauffähig gebauten Umwelt. Im Rahmen der Version 2018 des DGNB Systems wurden 12 Circular Economy Boni eingeführt, die Circular-Economy-Lösungen auf der Gebäudeebene bewertbar und messbar machen.

In Form von Zusatzpunkten können sie sich positiv auf das Zertifizierungsergebnis auswirken. Anfang 2019 hat die DGNB einen Leitfaden zum Schließen von Kreisläufen im Bauwesen publiziert: den „Circular Economy Report“ (download). Die Schwerpunktthemen: Umbau- und rückbaufreundliche Planung, Mehrfachnutzung von Flächen („Spacesharing“), und Vorstellung konkreter Lösungen und Werkzeuge in Form einer Toolbox.

Das Büro der Zukunft: Pulse Berlin

Mit Park 20/20 hat die Delta Development Group bereits Cradle to Cradle-Arbeitsumgebungen geschaffen. Edwin Meijerink, Geschäftsführer der Delta Development Group, hat diese Projekte, und die Unternehmensphilosophie, genauer vorgestellt. „Wir bauen für Menschen, daher stehen für uns Gesundheit und Wohlbefinden bei der Immobilienentwicklung im Vordergrund.“

Im Moment wird das Pulse Berlin Gebäude im Post-Dreieck nahe Askanischer Platz realisiert. Die Ambition ist, ein Gebäude mit einem positiven Fußabdruck zu realisieren und dabei möglichst viele Cradle to Cradle Maßnahmen um zu setzen (siehe auch Film).

Peter Roelvink, Architekt bei IAA Architekten aus Enschede/Münster, präsentierte den Entwurf für das neue siebengeschossige Pulse Berlin Gebäude, welches voraussichtlich Anfang 2021 fertiggestellt wird. Das Ziel ist, ein gesundes Gebäude mit besonderer Aufenthaltsqualität zu realisieren. Viel Grün, eine sehr gute Luftqualität und große Kommunikationsflächen tragen stark dazu bei. Das Atrium mit seiner imposanten Treppe ist als zentraler Begegnungsraum angedacht. Die Einteilung der Etagen rundum das Atrium gestaltet sich flexibel. Weitere Maßnahmen beinhalten die Nutzung von Regenwasser und erneuerbaren Energien. Abschließend ist eine sorgfältige Materialwahl, konzentriert auf gesunde und C2C zertifizierte Materialien, die wesentliche Basis um die Zielsetzung zu realisieren.

Es wurde auch klar, dass Begeisterung, Kreativität und Ausdauer unerlässlich sind, wenn man ein C2C-inspiriertes Gebäude realisieren möchte. Hier ist die traditionelle Bauregelgebung nicht immer hilfreich.

Die Vorträge gaben inspirierende Einblicke in die Chancen und Herausforderungen im Rahmen von nachhaltigem Bauen. Die Veranstaltung wurde zu einer inspirierenden Austauschplatform. Die schmackhaften Häppchen trugen dazu bei, das es ein langer Berliner Abend mit interessanten Diskussionen wurde.

Nora Sophie Griefahn

Martin Hoffmann

Edwin Meijerink und Peter Roelvink

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