Cradle to Cradle Cafe: "Nachhaltiges Bauen-Dark Planet oder Blue Planet" 22 November 2018

22
Nov

Cradle to Cradle Cafe: “Nachhaltiges Bauen-Dark Planet oder Blue Planet”

Am 22. November fand das dritte Cradle to Cradle Café in Frankfurt statt. Der niederländische Keramikflächenspezialist Mosa lud hierzu ein, gemeinsam mit den Partnerunternehmen Desso/Tarkett, Qbiq und Ahrend, Produzenten von Teppichböden, Innenwandsystemen und Büromöbeln.

Das Thema der Veranstaltung umfasste das Planen, Bauen und Zertifizieren von kreislauffähigen Gebäuden für eine lebenswerte und nachhaltige Zukunft. Mit Dr. Anna Braune, Dr. Peter Mösle und Frau Dipl-Ing Ursula Feld gab es drei angesehene Experten als Redner, die interessante und unterhaltsame Einblicke in das Thema gegeben haben.

Wir leben auf Pump

Zuerst hat Dr. Anna Braune, Leiterin Forschung und Entwicklung DGNB, uns mitgenommen in die Welt der ‘Circular Economy’ und die Verbindung mit dem DGNB System gemacht.

Kreisläufige Gebäude, circular economy…. Warum ist das eigentlich notwendig? Hierum: Im Laufe des 20. Jahrhunderts hat sich der weltweite Verbrauch von fossilen Brennstoffen verzwölffacht. Der Abbau von Bodenschätzen ist um den Faktor 34 gestiegen. Der Bausektor verbraucht weltweit 25% alle Rohstoffe, und ist für etwa en Drittel des Abfallaufkommens verantwortlich.

Das aktuelle lineare Wirtschaftssystem kann einfach nicht fortgeführt werden. Die Konsequenzen sind global und schränken unsere Kinder ein. Wir leben auf Pump. Kreislauffähige Wirtschaftsmodelle können den Druck auf Umwelt und Menschen verringern und Werte schaffen. Kreislauffähige Gebäude ermöglichen die Wiederverwendung oder das Recyclen von Materialien; sie werden zu Rohstoffdepots.

Circular Economy in der EU und beim DGNB

Die Europäische Kommission verabschiedete im Dezember 2015 ein “Circular Economy Package” einschließlich eines Aktionsplans, in dem der Übergang zur Kreislaufwirtschaft beschrieben wird als zentraler Hebel für eine nachhaltige, CO₂-arme, ressourceneffiziente und wettbewerbsfähige Wirtschaft.

Die DGNB kommuniziert die Vorteile einer kreislauffähigen gebauten Umwelt. Sie versucht, die politische Verankerung der Philosophie zu stärken. In der neuen Version 2018 des DGNB Gebäudesystems werden Circular-Economy Lösungen auf der Gebäude-Ebene bewertbar und messbar gemacht.  Und die Labelanerkennung bietet eine Möglichkeit für das C2C-Label.

Next Generation Buildings

Danach hat uns Dr. Peter Mösle, Geschäftsführer für den Bereich Energiedesign/Green Building bei Drees und Sommer, einen Einblick gegeben in was jetzt schon notwendig -und möglich- ist um kreislauffähige Gebäude für ‘Smart Cities’ von Morgen zu erstellen. Denn der Energie-Effizienzgedanke alleine (sparen, reduzieren und vermeiden) reicht nicht aus. Zum Beispiel, der Materialkostenanteil bei Hochbauprojekten ist 21,7% (gegenüber nur 1,4% für Energiekosten). Der Cradle to Cradle Ansatz passt zu der Entwicklung der Themenschwerpunkte im Bauwesen: von Energiesparen hin zu Stoffkreisläufen.

Der Zusammenhang zwischen Schadstoffreiheit, Recyclebarkeit und Trennbarkeit/Flexibilität wird mit einbezogen. Nur so kann der nächste Schritt gemacht werden.

Plattformen und Tools

Drees und Sommer ist einer der 15 Partner beim BAMB (Buildings As Material Banks) Projekt. Ein interdisziplinäres Forschungsprojekt im EU Programm Horizon 2020. Das Ziel für D&S war die Entwicklung eines BIM-fähigen ‘Material Passport’ als Grundlage zur Schaffung einer Circular Economy im europäischen Bauwesen. Dieser Passport, welcher u.a. gemacht wird beim Projekt Zollverein Essen, ist ein Planungs- und Dokumentationstool für materielle Qualitätssicherung und Risikovorsorge. Er umfasst eine Übersicht von Kernwerten der Kreislauffähigkeit und bietet eine Erweiterung des Bauteilkatalogs. Hierbei unterstützt die von Drees und Sommer entwickelte Online Plattform für Gesunde Bauprodukte – Building Material Scout www.building-material-scout.com – Architekten bei der Produktauswahl.

Begeistert vom C2C Gedanken: der RAG Neubau in Essen

Abschließend hat Frau Ursula Feld, Dipl-Ing Architektin bei Kadawittfeld Architekten aus Aachen, präsentiert was Ende 2017 schon realisiert wurde: das neue Verwaltungsgebäude der RAG Stiftung auf dem UNESCO Welterbe Zollverein in Essen. Es ist deutschlandweit als 1. größeres Gebäude mit umfangreichen C2C-Maßnahmen realisiert und ist DGNB Platinum zertifiziert. Außerdem lagen nur 28 Monate zwischen Planungs-Start und Fertigstellung.

So wurde mit Drees und Sommer eine Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt, wobei die Grundlage das benachbarte Bestandsgebäude – DGNB Bronze-Silber – war. Zweite Grundlage war die DGNB Platin Ambition, welche eine ausgezeichnete Basis darstellt für die Ergänzung der Baumaterialien mit kreislauffähigen Alternativen. Zu guter Letzt die C2C-Aspekte, wofür vier Mehrwertthemen entwickelt wurden:

1.)    Positiv für Mensch und Natur;

2.)    Gebäude als Kraftwerk;

3.)    Gesunde und Flexible Arbeitsumgebung;

4.)    Gebäude als Rohstoffdepot.

Die Leitidee war „jeder Quadratmeter Welterbe ist wertvolle Fläche“, und so ist entschieden die grüne Grundfläche des Gebäudes in Form einer Dachlandschaft auf dem Neubau zu erhalten. Der Dachgarten bietet vielfältige Aufenthaltsqualitäten für die Mitarbeiter und Besucher. Zum Regenwassermanagement gibt es zwei Zisternen, zur Bewässerung der Pflanzen und als Wasser für die WC-Spülungen.

Eine Solar-Pergola dient als schattenspendendes Element im Sommer und produziert außerdem regenerative Energie. Zusätzlich gewinnt das Gebäude regenerative Energie über Geothermie. Um das Gebäude als Rohstoffdepot nutzen zu können, müssen die Materialien wieder sortenrein trennbar sein. Dieses ist eng verbunden mit der richtigen Konstruktion und ergänzt sich häufig auch durch eine höhere Flexibilität – z.B. durch die Desso Airmaster Teppichfliesen, die durch eine Haftfixierung leicht austauschbar sind. Der Teppich bindet bis zu 4-fach mehr Feinstaub als gegebene Alternativen und verbessert so die Luftqualität. Außerdem wurde diese bitumenfreie Fliese durch ein Rücknahmesystem im eigenen Werk komplett wieder zu neuem Teppich recycelt.

Final wurde für dieses Gebäude ein „Materialpassport“ entwickelt. Somit hat man alle nötigen Informationen, um einen Restwert der Materialien zu ermitteln und um diese am Lebensende wieder in Kreisläufe zurückführen zu können.

Die Vorträge gaben inspirierende Einblicke in die Chancen und Herausforderungen im Rahmen von nachhaltigem Bauen. Es entstanden interessante Diskussionen zwischen Fachpublikum und Rednern, und die Veranstaltung wurde zu einer inspirierenden Austauschplatform.

Vortrag Dr. Anna Braune 22.11.2018

Vortrag Peter Mösle 22.11.2018

Kadawittfeldarchitektur

Leave a Reply